Helme

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Ihr Charakter im LARP oder im Reenactment ist ohne seinen Helm ebenso unvollständig, wie es der Ritter im Mittelalter war. Schützende Kopfbedeckung und Rangabzeichen in einem, macht der Helm seinen Träger zum beeindruckenden und gefürchteten Gegner.

Helme

Schon die althochdeutsche Sprache aus der Zeit zwischen 750 und 1050 kannte den Begriff des Helms. Seine etymologischen Wurzeln liegen im Germanischen helma sowie der indogermanischen Wurzel *kel, welche als Verb die Bedeutung "bergen" oder "verhüllen" tragen.

Sein Name beschreibt seine Funktion demnach in Perfektion: ein Helm schützt den Kopf seines Trägers, das wohl wichtigste und gleichzeitig empfindlichste Körperteil im Kampf.


Helme der Frühzeit

Schon in frühester Zeit erkannten Kämpfer den Wert einer soliden, schützenden Kopfbedeckung. Vorläufer all dessen, was sich in den Jahrtausenden unserer Zeitrechnung unter dem Hammer des Waffenschmieds entwickelt hat, weist die Prähistorische Archäologie schon in der Ur- und Frühgeschichte.

Erste Helme werden unserer Vorstellung von einem Helm kaum gerecht. So wie die ersten Rüstungen aus Fellen, Textilien und Leder gefertigt wurden und erst nach und nach Metall als effektive, zweite Haut Kettenhemden und Plattenrüstungen hervorbrachte, präsentieren sich auch frühe Helme als Kopfbedeckungen aus Naturstoffen, die ihren Trägern nur geringen Schutz boten.

Die ersten Metallhelme bestehen aus Bronze und stammen aus dem 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Das Volk der Sumerer und die Ägypter waren die ersten, die Kämpfer mit Helmen ausrüsteten. Als unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand für Ritter und als Massenprodukt selbst für den einfachen Fußsoldaten des Heeres präsentiert sich der Helm jedoch erst durch die Verwendung von Eisen.

Die ersten Eisenhelme schreiben Historiker den Hethitern im 14. und den Dorern im 12. vorchristlichen Jahrhundert zu. Von letzteren wurde die Verwendung von Eisen auch nach Griechenland eingeführt. Auch wenn die griechischen Eroberer noch über Jahrhunderte an der Bronze festhielten, sind es doch die unterschiedlichen griechischen Helme, die als wichtige Grundlage der Entwicklung des Helms bis ins Spätmittelalter und darüber hinaus.

Der berühmte korinthische Helm, der chalkidische Helm, der attische und der thrakische sowie der böotische Helm sind das bronzene archäologische Vermächtnis der griechischen Militärgeschichte.

Die griechischen Traditionen wurden auch von den weitgereisten, wehrhaften Römern aufgegriffen und den eigenen militärischen Anforderungen und Erfahrungen angepasst. Als große Eroberer erreichten sie, für ihre Zeit beeindruckend, die Herrschaft über gut drei Prozent der Weltfläche. Dabei setzten Sie Maßstäbe in der Kriegskunst und in der Waffen- und Rüstungstechnik.

Die Römer rüsteten ganze Heere mit Helmen aus unter den Oberbegriffen Cassis und Galea entwickelten die Römer im Laufe der Zeit verschiedene Helmtypen in Abwandlung des griechischen chaldikischen und des attischen Helms. Bekannt sind vor allen Dingen der einfach Helm Typ Motefortino. Charakteristisch für die neue römische Variante waren die oft hochklappbaren Wangenklappen. Montefortino und anschließend der Helm des Coolus-Typs wurden noch aus Bronze gefertigt.

Ab dem ersten Jahrhundert begannen die Römer mit der massenhaften Produktion von Helmen aus Eisen. Aus Filmen über die wechselvolle Geschichte des Römischen Reiches ist vielen von uns vor allen Dingen der Kaiserlich-Gallische Helm, nach einem ersten archäologischen Fundort auch bekannt als Weisenau. Es folgten zum ende des Weströmischen Reiches der Spätrömische Kammhelm.

Die von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägte Zeit des Mittelalters brachte weitere, bis heute bekannte Helmtypen hervor.


Helme des Mittelalters

Das Frühmittelalter stand in Rüstungsdingen unter asiatischem Einfluss, zeigt aber auch Entwicklungen vom europäischen Festland, aus dem späteren Großbritannien und aus Skandinavien. Spangenhelme, Lamellenhelme, Bandhelme oder nordische Kammhelme zierten und schützten die Häupter der verschiedenen Streitmächte.

Ritter und Soldaten des Hochmittelalters profitierten von der zunehmenden Perfektionierung der Metallverarbeitung und Schmiedekunst. Der Nasalhelm aus dem 10. Jahrhundert ist hierfür ein verbreitetes Beispiel. Weniger ästhetisch als effektiv und den neuen technischen Möglichkeiten angepasst sind ab dem 12. Jahrhundert anfänglich zylinderförmige Topfhelme mit festem Visier. Parallel entstehen einfachere Helmarten wie der Eisenhut und die Beckenhaube.

Das Bild, das wir heute oft vom klassischen Ritter in Eisenrüstung vor Augen haben, stammt aus dem Spätmittelalter. Die Hundskugel, der Armet und der geschlossene Helm vervollständigen die Ausrüstung des Ritters und gleichwertiger Krieger.

Das einfache Fußvolk schützte sich dagegen mit schlichteren Varianten wie dem Birnhelm oder dem Morion. Den durch den verstärkten Einsatz von Schusswaffen und durch moderne militärische Taktiken veränderten Voraussetzungen tragen etwa ab dem 16. Jahrhundert leichtere Helme wie die offenen Sturmhauben Rechnung. Zu ihnen zählt auch die ungarische Zischägge.

Nicht zuletzt die Waffentechnik verdrängt den klassischen Helm schließlich ab etwa der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts weitgehend von den Schlachtfeldern.

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