Spätmittelalter Helme

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Spätmittelalter Helme


Den letzten Abschnitt des Mittelalters, das Spätmittelalter, ordnen europäische Historiker mehrheitlich der Zeit zwischen 1250 und 1500 zu. Die konservative Geschichtsforschung charakterisiert den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit als eine Krisenzeit. Die Gründe für diese Einschätzung sind vielfältig: Hungersnöte und Seuchen wie der ?Schwarze Tod" kosten etwa die Hälfte der europäischen Bevölkerung das Leben Bürgerkriege, Volksaufstände und schließlich der Hundertjährige Krieg entbrennen in Teilen Europas und die Kreuzzüge Enden mit einer Niederlage der christlichen Streitkräfte und hinterlassen das Rittertum und das Lehenswesen schwer beschädigt.

Gleichzeitig ist das Spätmittelalter aber auch eine Zeit des wissenschaftlichen, technischen und handwerklichen Fortschritts und der Ausweitung internationaler Handelswege.

Show und Kampf - zwei Seiten einer Medaille

Betrachtet man die Entwicklung des Helms im Spätmittelalter, fällt eines schnell auf: nicht alle Helmtypen die wir der Epoche zuordnen, kamen tatsächlich in der Schlacht zum Einsatz. Charakteristisch für die Zeit ist zum Beispiel der seit dem Hochmittelalter stetig weiterentwickelte Topfhelm. Die massive, große Bauform, die mit großem Topfhelm, Kübelhelm oder Krötenhelm verbundene Einschränkung der Bewegungsfreiheit und nicht zuletzt deren hohes Gewicht von bis zu 10 Kilogramm machten diesen Helmtypus im Kampf trotz zuverlässiger Schutzwirkung doch eher zum Hindernis. Entsprechend wurde er zunehmend nur noch bei Turnieren getragen.

In der Schlacht bevorzugten Soldaten und Ritter leichtere und insgesamt praktischere Helmformen, wie den bereits im Hochmittelalter eingeführten Eisenhut.

Die Beckenhaube, auch bekannt als Kesselhaube oder Bascinet, die als Weiterentwicklung der einfachen Hirnhaube ursprünglich unter dem Topfhelm oder Kübelhelm getragen wurde, gewinnt zunehmend als eigenständiger Helm an Bedeutung.

Um zum eigenständigen Helm zu taugen und maximale Schutzwirkung zu bieten, wurde seine Form modifiziert: der vordere Helmrand wurde nach unten gezogen, um die Stirn zu schützen und Ringelpanzergeflecht schützten den Nacken oder als komplette Haube zusätzlich die Seiten des Kopfes. Nach ober spitz zulaufend konnte der Helm Schläge ablenken.

Mit einem Klappvisier ausgestattet, bot die Kesselhaube umfassenden Schutz, ließ dem Träger aber die Möglichkeit, die Gesichtsmaske an Scharnieren zu öffnen um sich umzusehen oder frei zu atmen, ohne dabei den Kopf schutzlos zu lassen.

So wie die nach oben spitze Form sollte auch die kegelförmig zulaufende Form des Visiers Hieben und Stichen wenig Angriffsfläche bieten und sie so ablenken. Der dadurch entstandenen charakteristischen Form einer Hundeschnauze verdanken Helme des Spätmittelalters Namen wie Hundsgugel.

Als Weiterentwicklung der Kesselhaube tritt im 15. Jahrhundert zunehmend der Schaller auf. Der dem Schädel nachgeformte Eisenhut schützte den Nacken des Trägers durch einen ausladenden Nackenschirm. Neben geschlossenen Varianten wie dem Deutschen Schaller, der das Gesicht komplett bedeckte und nur einen Sehschlitz offen ließ oder mit einem halben Visier ausgestattet war, ist zum Beispiel der Burgundische Schaller mit einem vollständigen Visier ausgestattet. Besondere Formgebungen des Visiers verleihen dem Schaller zusätzliche Typbezeichnungen, wie etwa die des Blasebalgschallers.

Neben der Verbesserung der Schutzwirkung und des Tragekomforts eines Helmes wurden die verbesserten handwerklichen Techniken auch zunehmend genutzt, um Helmen eine gewissermaßen individuelle Optik zu verleihen. Grade geschlossene Helme brachten es mit sich, dass die Gesichter ihrer Träger in der Schlacht nicht mehr zu erkennen waren. Entsprechend waren andere Elemente erforderlich, um im Kampf eine Identifikation oder zumindest eine Zuordnung zu Freund oder Feind zu ermöglichen. Außerdem waren verschiedene Helme typisch für bestimmte Waffengattungen. Ein adliger Herrscher, der seine Leibgarde mit Morion Helmen ausstattete, wie wir sie bis heute zum Beispiel von der weltberühmten Schweizer Garde kennen, demonstrierte damit Macht, Wohlstand und Herrschaftsanspruch.

Der besondere Reiz des Übergangs

Das Spätmittelalter ist unter den geschichtswissenschaftlich behandelten Abschnitten des Mittelalters jener, über den wir heute besonders viel wissen. Nicht zuletzt markiert es den Beginn einer Standesschranken überwindenden Bildung. Die zunehmende Alphabetisierung der Gesellschaft und die Verwendung der Volkssprache in der Literatur anstelle des bis dahin verbreiteten Latein ermöglichen uns heute einen leichteren Zugang zur Erfahrungswelt des Menschen im Spätmittelalter.

Charaktere aus dem Spätmittelalter sind in LARP und Reenactment auch deshalb besonders beliebt.

Wenn auch Du dich für die wechselvolle Geschichte des Mittelalters begeisterst, findest Du im Zeughaus neben aller anderen Ausrüstung auch den passenden Helm für Deinen persönlichen Charakter.

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